3. Adventssonntag (Gaudete), Lesejahr A
Vorgeschriebene Lesungen
1. Lesung: Jes 35, 1–6a.10
Antwortpsalm: Ps 146 (145), 6c–7.8–9a.9b–10
2. Lesung: Jak 5, 7–10
Ruf vor dem Evangelium: Vers aus Jes 61,1: Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn er hat mich gesandt, den Armen die Frohbotschaft zu bringen. Halleluja.
Evangelium: Mt 11, 2–11
Zusammenhänge und theologische Bezüge
Der dritte Adventssonntag steht im Zeichen der **Freude** (Gaudete – Freut euch!). Dies ist begründet in der bereits nahen Ankunft des Herrn. Die liturgische Farbe wechselt von Violett zu Rosa (optional), um diese freudige Erwartung zu symbolisieren.
Die **1. Lesung (Jes 35, 1–6a.10)** ist eine überschwängliche Verheißung des Heils: Die Wüste wird blühen, und die Lahmen, Blinden, Tauben und Stummen werden geheilt. Dies ist eine prophetische Beschreibung der Heilszeit, in der Gott selbst kommt, um zu retten. Der Grundton ist unbändige Freude und Gewissheit der baldigen Erlösung: **“Seht, hier ist euer Gott! Die Rache Gottes wird kommen und seine Vergeltung; er selbst wird kommen und euch erretten.“**
Das **Evangelium (Mt 11, 2–11)** greift die Verheißungen des Jesaja direkt auf. Johannes der Täufer, aus dem Gefängnis, fragt Jesus durch seine Jünger: **„Bist du der, der kommen soll, oder sollen wir auf einen anderen warten?“** Jesus antwortet nicht mit einem Titel, sondern mit dem Verweis auf seine Taten, die genau die Zeichen des Jesaja-Prophetie (Heilung der Kranken, Frohbotschaft den Armen) erfüllen. Die Taten Jesu sind der Beweis dafür, dass die Heilszeit bereits begonnen hat, was den Grund zur Freude (Gaudete) liefert.
Die **2. Lesung (Jak 5, 7–10)** mahnt zur **Geduld und Standhaftigkeit**. Angesichts der Gewissheit, dass die Ankunft des Herrn nahe bevorsteht, sollen die Gläubigen geduldig ausharren, so wie der Bauer auf die Ernte wartet. Die Mahnung zur Geduld mildert die überschwängliche Freude und verankert sie in der Realität der erwarteten Ankunft. Der Richter steht schon vor der Tür.
Der **Antwortpsalm (Ps 146)** ist ein Lobpreis des barmherzigen Gottes, der **den Armen zu ihrem Recht verhilft**. Die Taten Gottes (Augen der Blinden öffnen, die Gebückten aufrichten, die Hungrigen sättigen) spiegeln exakt die Wunder wider, auf die Jesus im Evangelium verweist. Der Psalm dient als unmittelbare Bestätigung der messianischen Taten Jesu.
Erläuterung des Antwortpsalms für den Kantorendienst (Ps 146/145)
Der Psalm 146 ist ein **Lob- und Vertrauenspsalm**, der die Gläubigen dazu aufruft, ihr Vertrauen allein auf Gott zu setzen, der die Welt geschaffen hat und aktiv zugunsten der Schwachen eingreift. Der Hauptgedanke ist die **Freude am heilbringenden Handeln Gottes**.
- Wesen und Tonus: Der Tonus ist von aufrichtigem, warmherzigem Lob und Jubel geprägt. Aufgrund des Gaudete-Sonntags sollte der Kantor einen sehr hellen, freudigen und zuversichtlichen Ton wählen, der die Gewissheit des nahen Heils hörbar macht. Die Melodie sollte leicht und vorwärtsdrängend sein.
- Wesenskern: Gott ist der ewige, treue und gerechte Helfer, der Witwen, Waisen und Fremde schützt, die Blinden heilt und die Gefangenen befreit. Es ist eine Aufzählung von Gottes befreienden Taten, die Freude weckt.
- Bezug zur Liturgie: Der Psalm ist die perfekte musikalische Antwort auf Jesu Verweis im Evangelium: Er bezeugt, dass Jesus genau die Wunder vollbringt, die Gott in diesem Psalm zugeschrieben werden. Er ist die Verankerung der Freude in den konkreten Taten Gottes, die im Messias sichtbar werden.
- Hintergrund der Textauswahl: Die gesamte Liturgie des 3. Adventssonntags feiert die Freude über die **Gewissheit der Erfüllung**. Johannes der Täufer fragt, Jesus antwortet mit Taten, Jesaja beschreibt diese Taten prophetisch, und der Psalm preist den Gott, der sie vollbringt.
Quellenverzeichnis
Bibeltexte: Deutsche Einheitsübersetzung 2016 (verlinkt auf bibleserver.com)
Liturgie: Schott-Messbuch Online (Erzabtei Beuron): https://schott.erzabtei-beuron.de
Psalmen-Erläuterung: Inhaltsanalyse basierend auf exegetischen Kommentaren (u. a. www.bibelkommentare.de)
