Ankündigung des Weihnachtsfestes – meine persönliche Interpretation
Hier sind die einzelnen Textabschnitte der Ankündigung des Weihnachtsfestes nach der modernen Fassung des Martyrologium Romanums, und wie ich sie für mich interpretiere und betone und sprachlich/gesanglich zum Ausdruck bringe.
Alle fettgedruckten Worte sind werden im bewusst betont oder in besonderer Form sprachlich und gesanglich hervorgehoben. Der Text ist dem Münchener Kantorale entnommen.
| Im Anfang schuf Gott die Welt. | Würdig, feierlicher, erzählerisch Tonfall. |
| Milliarden Jahre waren vergangen, seit unsere Sonne und die Erde entstanden, | In diesem Abschnitt betone ich jeweils die Zeitangaben, als bewusste Wahrnehmung der Zeit, sowohl in ehrfürchtigem Staunen vor der Schöpfung, als auch ehrfürchtiger Erinnerung vor den Biblischen Ereignissen und den antiken Zeitangaben, die das Ereignis der Geburt Christi historisch so konkret machen. Mit der zunehmenden zeitlichen Nähe zur Geburt, will ich den Zeitangaben zunehmend eine emotionale Steigerung, freudige Aufregung ausdrücken. Nicht nur von der Melodieführung, sondern auch von der sprachlichen Betonung muss zu spüren sein, dass jetzt ein Großes Mysterium geschieht: Gott greift hier und jetzt in die Welt ein! |
| Millionen Jahre, seit Leben sich regte auf der Erde und der Mensch ins Dasein trat, | |
| viele tausende von Jahren, seit Stämme, Völker und Kulturen sich bildeten; | |
| zweitausend Jahre seit der Berufung Abrahams, | |
| eintausendfünfhundert Jahre, seit Mose das Volk Israel aus Ägypten geführt hatte, | |
| tausendunddreißig Jahre seit der Salbung des David zum König; | |
| in der fünfundsechzigsten Woche nach Daniels Weissagung, | |
| in der hundertvierundneunzigsten Olympiade, | |
| siebenhundertzweiundfünfzig Jahre nach der Gründung Roms, | |
| im zweiundvierzigsten Jahr der Regierung des Kaiser Oktavianus Augustus, | |
| da Friede war in der ganzen Welt: | |
| da sandte Gott, der ewige Vater, | Betonung ehrfürchtig, feierlich und bewundernd. |
| seinen Sohn in die Welt, um sie durch seine rettende Ankunft zu heiligen: | Steigerung der Betonung als der Wendepunkt in der Geschichte. |
| Er war empfangen durch den Heiligen Geist, | ehrfürchtige Betonung dieses Mysteriums |
| und nach neun Monaten / wurde er zu Bethlehem im Lande Juda / aus Maria, der Jungfrau geboren. | |
| Heute feiern wir seine Geburt, | ehrfürchtige, bewundernde, geheimnisvolle Betonung, |
| das hochheilige Weihnachtsfest. | Hier hebe ich diese in diesen zwei Worten sprachlich den geheimnisvollen, „hochheiligen“ Charakter in einem ehrfürchtigen, bewundernden, geheimnisvollen Tonfall hervor das „hier und jetzt“ gefeiert wird |
| Heute singen wir mit allen, die glauben: | Freudig, feierlich, von der Betonung noch steigernd, dass jetzt das Entscheide kommt: |
| Christus ist uns geboren; | das Geheimnis – der Höhepunkt, inhaltliche Auflösung in freudig, feierlichem Ausdruck |
| kommt, wir beten ihn an. | Hier ist mir die Aufforderung im Text extrem wichtig. In diesem Moment ist mir auch der Verkündigungscharakter als Kantor bewusst, denn die Aufforderung geht an die gesamte versammelte Gemeinde – Ihn, Christus – anzubeten. Erst danach erklingt die Orgel zum Einzug und der liturgische Dienst zieht in den Altarraum ein und die eigentliche Christmette beginnt. |
Für mich ist es nach dem Vortrag ein ganz persönliches, inneres Bedürfnis mich vor der am Alter aufgebauten Krippe zu verneigen; als meine ganz persönliche Antwortgeste auf meine gesungene Aufforderung IHN anzubeten.
Dieser Text ist meine ganz persönliche Interpretation. Jeder Kantor/jede Kantorin mag für sich ihren Ausdruck dazu finden. Manches ist bei mir auch an die Melodieführung gebunden, denn es gibt verschiedene Versionen dazu.
