2. Weihnachtsfeiertag – Hl. Stephanus (26. Dezember)
Vorgeschriebene Lesungen
Lesung: Apg 6, 8–10; 7, 54–60
Antwortpsalm: Ps 31 (30), 3cd–4.5 u. 15.16 u. 17
Ruf vor dem Evangelium: Vers aus Ps 118,26: Gesegnet sei, der kommt im Namen des Herrn. Der Herr ist Gott, er hat uns Licht gebracht. Halleluja.
Evangelium: Mt 10, 17–22
Zusammenhänge und theologische Bezüge
Der Tag nach dem Hochfest der Geburt des Herrn ist dem Gedächtnis des heiligen Stephanus, des ersten Märtyrers, gewidmet. Der Kontrast zwischen der friedvollen Geburt und dem gewaltsamen Tod ist beabsichtigt: Er zeigt, dass die Botschaft Christi unmittelbar auch **Verfolgung und das Zeugnis bis in den Tod** einschließt. Die liturgische Farbe wechselt zu **Rot**.
Die **1. Lesung (Apg 6, 8–10; 7, 54–60)** ist die dramatische Erzählung des **Martyriums des Stephanus**. Er wird vor dem Hohen Rat verurteilt und gesteinigt, sieht jedoch in seiner Todesstunde den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen. Seine letzten Worte sind ein Gebet für seine Verfolger, das Jesu Worte am Kreuz nachahmt. Es ist ein vollkommenes Zeugnis für den Glauben an den fleischgewordenen und auferstandenen Herrn.
Das **Evangelium (Mt 10, 17–22)** greift direkt das Schicksal des Stephanus auf, indem es aus der **Sendungsrede Jesu** zitiert. Jesus kündigt den Jüngern Verfolgung und Leiden an. Der Kernsatz lautet: **„Wer aber bis zum Ende standhaft bleibt, der wird gerettet.“** Die Lesung stellt klar, dass das Festhalten am Glauben an den neugeborenen Herrn Konsequenzen haben kann, die bis zum Zeugnis des Blutes reichen.
Die **2. Lesung (Mt 10, 17–22)** ist identisch mit dem Evangelium, da es an den Stephanustag, den Tag des Zeugnisses, angepasst wurde. **Hinweis:** Oft wird an diesem Tag das Evangelium doppelt gelesen (als 2. Lesung und Evangelium), um die Verbindung zwischen Verheißung (Jesu Worte) und Erfüllung (Stephanus‘ Tod) zu betonen.
Der **Antwortpsalm (Ps 31)** ist ein Gebet des Vertrauens in Zeiten der Not. Die Schlüsselverse werden durch die Sterbeworte des Stephanus („Herr, nimm meinen Geist auf“) besonders hervorgehoben. Der Psalm drückt die Hoffnung des Beters aus, der sich in der Stunde der Bedrängnis ganz auf Gott verlässt: **„In deine Hände lege ich voll Vertrauen meinen Geist.“**
Erläuterung des Antwortpsalms für den Kantorendienst (Ps 31/30)
Der Psalm 31 ist ein **Bitt- und Vertrauenspsalm**, der dem Beter Trost spendet, auch wenn er von Feinden umgeben ist. Der Tonus ist ernsthaft, aber von unerschütterlicher Hoffnung geprägt.
- Wesen und Tonus: Der Tonus ist zuversichtlich und tief vertrauend. Er ist nicht jubelnd wie die Weihnachtsmessen, sondern von einer klaren, mutigen Stimmführung gekennzeichnet, die die Gewissheit des Stephanus im Angesicht des Todes widerspiegelt. Die Melodie soll Ruhe und Standhaftigkeit ausdrücken.
- Wesenskern: Die Lesung wendet sich vom Menschen (den Verfolgern) ab und allein dem Herrn zu. Sie mündet in die totale Hingabe des Geistes an Gott.
- Bezug zur Liturgie: Er bildet die musikalische Verbindung zwischen dem Evangelium (Verfolgungsansage) und der 1. Lesung (Verfolgung und Tod des Stephanus). Er ist die spirituelle Basis, die es Stephanus ermöglicht, bis zum Ende standhaft zu bleiben und seinen Verfolgern zu vergeben.
Quellenverzeichnis
Bibeltexte: Deutsche Einheitsübersetzung 2016 (verlinkt auf bibleserver.com)
Liturgie: Schott-Messbuch Online (Erzabtei Beuron): https://schott.erzabtei-beuron.de
Psalmen-Erläuterung: Inhaltsanalyse basierend auf exegetischen Kommentaren (u. a. www.bibelkommentare.de)
