Hl. Johannes – Apostel und Evangelist (27. Dezember)
Vorgeschriebene Lesungen und Rufe
Verbindung der Lesungen mit dem Antwortpsalm und dem Evangelium
Die Texte sind tief miteinander verwoben und stellen Johannes als **Augenzeugen der Menschwerdung und Auferstehung** in den Mittelpunkt. Sie bilden eine theologische Einheit, die von der **menschlichen Erfahrung des Wortes Gottes** bis zur **Schau des Auferstandenen** reicht.
- 1. Lesung (1 Joh 1,1–4) und Ruf vor dem Evangelium: Die Lesung ist die programmatische **Vorrede des 1. Johannesbriefes**. Sie etabliert Johannes als direkten **Augenzeugen** des Mensch gewordenen Wortes („was wir mit unseren Augen gesehen, was wir geschaut und was unsere Hände angefasst haben“). Der Text betont das Ziel dieser Verkündigung: **Gemeinschaft mit Gott** und **volle Freude**. Der Ruf vor dem Evangelium ist ein **direktes Zitat** aus dieser Lesung (V. 2) und dient als theologische Brücke zum Evangelium, indem er das **„ewige Leben“** proklamiert, das in Christus erschienen ist.
- Evangelium (Joh 20,2–8): Das Evangelium zeigt Johannes als den **„anderen Jünger, den Jesus liebte“**, am **leeren Grab** am Ostermorgen. Hier wird die Augenzeugenschaft (im Gegensatz zu Petrus, der hineinging, um zu sehen) in den **Glauben** überführt: „Er sah und glaubte.“ Johannes wird als der **schnellere Läufer** und der **zuerst Glaubende** dargestellt. Er ist der Zeuge der Auferstehung, der das Unsichtbare im Sichtbaren erkennt und somit die theologische Aussage der 1. Lesung exemplarisch erfüllt.
- Antwortpsalm (Ps 97): Dieser Psalm ist ein **königlicher Psalm**, der die **Herrschaft Gottes** als König über die ganze Erde besingt. Verse wie „Gerechtigkeit und Recht sind die Stützen seines Thrones“ und „Licht wird dem Gerechten gesät“ korrespondieren mit Johannes‘ Theologie vom Licht und der Gerechtigkeit (vgl. Johannesprolog und 1. Johannesbrief). Der Psalm schafft den **kosmischen Rahmen** für die Botschaft des Evangelisten: Die Menschwerdung und Auferstehung Jesu, von Johannes bezeugt, sind der Beweis und die Offenbarung der **universalen Herrlichkeit** des Königs Gottes.
Hintergründe der Textauswahl
Das Fest des hl. Johannes fällt in die **Oktav von Weihnachten**. Die Textauswahl feiert Johannes als **Theologen der Inkarnation (Menschwerdung)** („Das Wort des Lebens“) und als **Zeugen der Auferstehung**. Die Texte dienen dazu, die zentrale Botschaft der **Weihnachtszeit** – Gott ist Mensch geworden – durch die theologische Brille des Johannes zu betrachten. Die 1. Lesung und das Evangelium zeigen ihn als denjenigen, der das Wort und das Leben **berührt** (1 Joh 1,1) und **schnell zum Glauben** findet (Joh 20,8), und untermauern somit seinen einzigartigen Anspruch als Apostel und Evangelist.
Erläuterung des Antwortpsalms (Ps 97) für den Kantor
Der **Psalm 97** ist ein jubelnder **Thronbesteigungs-Psalm** (YHWH ist König geworden – V. 1), der von der **Herrschaft Gottes** über alle Völker handelt. Er strahlt große **Majestät, Freude und Gerichtsgewissheit** aus.
Inhaltlicher Wesenskern:
- Der Psalm beginnt mit einer **feierlichen Proklamation** der **Königsherrschaft Gottes** („Der HERR ist König!“). Dies ist der emotionale und theologische Kern.
- Es folgen dramatische Bilder der Gotteserscheinung (**Theophanie**): Wolken, Dunkel, Feuer und Blitze (V. 2–4). Diese Bilder betonen Gottes **furchteinflößende Macht** und **Heiligkeit**. Der Kantor sollte diese Verse mit einem Gefühl der **Erhabenheit** vortragen.
- Der Psalm ruft zur **Anbetung** des wahren Gottes auf und fordert die Verehrer von Götzen und Bildern auf, sich zu schämen (V. 7). Die Macht Gottes übersteigt alle irdischen und heidnischen Ansprüche.
- Ein zentrales Thema ist die **Gerechtigkeit** und die **Freude der Gerechten** (V. 8–12). Gott liebt diejenigen, die das Böse hassen. Er behütet die Seelen seiner Frommen.
- Der Abschluss mündet in einen **Aufruf zur Freude und zum Dank** („Freut euch am Herrn, ihr Gerechten,“ V. 12).
Deutung für den Kantor: Am Fest des hl. Johannes dient der Psalm als Ausdruck der **kosmischen Relevanz** des bezeugten Evangeliums. Johannes sah und glaubte an den auferstandenen Herrn, dessen Herrlichkeit in diesem Psalm besungen wird. Der Kantor sollte die **Freude** und die **Gewissheit** des siegreichen Gottes betonen. Der Psalm ist ein **Lobpreis der göttlichen Majestät**, die sich in Jesus Christus, dem Wort, das Fleisch geworden ist (Johannes‘ Theologie), offenbart hat. Die Verkündigung des Evangelisten ist die Botschaft, dass **YHWH wirklich als König herrscht** – ein Triumphgesang des Lichtes über das Dunkel.
Quellenverzeichnis
- Schott-Messbuch Online (Liturgische Texte und Angaben)
- Bibleserver.com (Deutsche Einheitsübersetzung 2016)
- Bibelkommentare.de (Exegese zu Ps 97 kann dort nachgeschlagen werden, um den Wesenskern zu erfassen.)
