4. Fastensonntag (Laetare) – Lesejahr A
Vorgeschriebene Lesungen
1. Lesung: 1 Samuel 16,1b.6–7.10–13a
Antwortpsalm: Psalm 23
2. Lesung: Epheser 5,8–14
Ruf vor dem Evangelium: Ich bin das Licht der Welt, spricht der Herr; wer mir nachfolgt, wird das Licht des Lebens haben. (Johannes 8,12)
Evangelium: Johannes 9,1–41
Die Verbindung der Lesungen
Der vierte Fastensonntag, traditionell Laetare genannt, markiert innerhalb der Fastenzeit einen deutlichen Wendepunkt. Mitten im Weg der Umkehr wird der Blick auf Licht, Sehen und Freude gelenkt. Die Lesungen dieses Sonntags sind thematisch eng miteinander verbunden und kreisen um die Frage, wie Gott sieht – und wie der Mensch lernen kann, mit Gottes Augen zu sehen.
In der ersten Lesung aus dem ersten Buch Samuel wird die Wahl Davids zum König geschildert. Gott weist den Propheten Samuel ausdrücklich darauf hin, sich nicht vom äußeren Erscheinungsbild leiten zu lassen. Während Menschen nach sichtbaren Kriterien urteilen, schaut Gott auf das Herz. Diese Szene macht deutlich, dass Gottes Blick tiefer reicht als menschliche Wahrnehmung. David wird nicht wegen seiner Stärke oder seines Auftretens erwählt, sondern wegen seiner inneren Haltung. Damit wird ein Grundmotiv gesetzt, das sich durch alle Texte dieses Sonntags zieht.
Der Antwortpsalm 23 nimmt dieses Motiv auf und deutet es aus der Perspektive des Vertrauens. Gott wird als Hirte beschrieben, der den Menschen kennt, führt und schützt. Der Beter weiß sich gesehen und begleitet – nicht nur in lichten Momenten, sondern auch „im finsteren Tal“. Der Psalm antwortet damit auf die Erfahrung der Erwählung Davids: Wer sich von Gott führen lässt, darf darauf vertrauen, dass Gott den Weg kennt, auch wenn er für den Menschen dunkel erscheint.
Die zweite Lesung aus dem Epheserbrief greift das Bild von Licht und Dunkelheit ausdrücklich auf. Paulus fordert die Gemeinde auf, als „Kinder des Lichts“ zu leben. Glaube wird hier als Verwandlung beschrieben: Wer zu Christus gehört, wird aus der Dunkelheit herausgeführt und lernt, das eigene Leben im Licht Gottes zu betrachten. Diese Lesung verbindet die alttestamentlichen Motive mit der konkreten Lebensführung der christlichen Gemeinde.
Im Evangelium von der Heilung des Blindgeborenen erreicht das Thema seinen Höhepunkt. Jesus schenkt einem Menschen das Augenlicht – und entlarvt zugleich die Blindheit derer, die sich für sehend halten. Während der Geheilte schrittweise zum Glauben findet, verhärten sich die religiösen Autoritäten. Die Verbindung der Lesungen wird hier besonders deutlich: Gott sieht anders, Gott führt anders, und wahres Sehen entsteht aus der Begegnung mit Christus. Laetare wird so zum Sonntag der Hoffnung auf neues Sehen mitten in der Fastenzeit.
Inhaltliches Verständnis des Antwortpsalms
Psalm 23 ist einer der bekanntesten und zugleich tiefgründigsten Psalmen der Bibel. Er beschreibt die Beziehung zwischen Gott und Mensch mit dem Bild des Hirten. Nach den Auslegungen auf bibelkommentare.de geht es dabei nicht um romantische Idylle, sondern um eine existenzielle Lebensgemeinschaft. Der Hirte übernimmt Verantwortung, kennt den Weg und schützt seine Herde.
Der Psalm beginnt mit einem Bekenntnis: „Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen.“ Diese Aussage ist keine naive Verheißung eines sorgenfreien Lebens, sondern Ausdruck tiefen Vertrauens. Der Beter weiß, dass sein Leben in Gottes Hand liegt. Gott sorgt für Ruhe, Orientierung und neue Kraft. Die grünen Auen und stillen Wasser stehen symbolisch für Zeiten der Erholung und Erneuerung.
Besonders wichtig ist der Mittelteil des Psalms: „Auch wenn ich gehe im finsteren Tal, fürchte ich kein Unheil.“ Hier wird deutlich, dass der Glaube die Dunkelheit nicht ausblendet. Krankheit, Angst, Zweifel und Tod gehören zur menschlichen Erfahrung. Entscheidend ist jedoch: Gott bleibt gegenwärtig. Sein „Stecken und Stab“ sind Zeichen von Führung und Schutz. Nach bibelkommentare.de ist dies der Kern des Psalms: Vertrauen wächst gerade dort, wo der Mensch seine eigene Begrenztheit erfährt.
Der Schluss des Psalms wechselt vom Bild des Hirten zum Bild des Gastgebers. Gott bereitet einen Tisch und schenkt überfließendes Leben. Für den Kantor ist wichtig: Psalm 23 ist kein sentimentaler Trostpsalm, sondern ein Bekenntnis gelebten Vertrauens. Er eignet sich besonders für den Laetare-Sonntag, weil er mitten in der Fastenzeit die Gewissheit vermittelt, dass Gottes Licht stärker ist als jede Dunkelheit.
Hintergründe der Textauswahl
Der 4. Fastensonntag trägt den Namen Laetare, nach dem Eröffnungsvers der Messe. Er setzt bewusst ein Zeichen der Freude innerhalb der Bußzeit. Die liturgische Textauswahl spiegelt diesen Akzent wider, ohne die Ernsthaftigkeit der Fastenzeit aufzugeben.
Die Erwählung Davids zeigt, dass Gott Hoffnung dort schenkt, wo Menschen nicht damit rechnen. Psalm 23 vertieft diese Zusage und gibt ihr eine persönliche, betende Stimme. Die Lesung aus dem Epheserbrief überträgt das Thema von Licht und Dunkelheit in den Alltag der Gemeinde. Das lange Evangelium vom Blindgeborenen schließlich macht sichtbar, dass Christus selbst das Licht ist, das den Menschen neu sehen lässt.
So wird Laetare zum Sonntag der aufbrechenden Hoffnung, der die Gemeinde ermutigt, den Weg der Fastenzeit mit neuem Vertrauen fortzusetzen.
Quellenverzeichnis
- Schott-Messbuch Online: https://schott.erzabtei-beuron.de
- Bibeltexte (Einheitsübersetzung 2016): https://www.bibleserver.com
- Bibelkommentare zu Psalm 51: https://www.bibelkommentare.de
