Christkönigssonntag, Lesejahr C
Die vorgeschriebenen Lesungen
1. Lesung: 2 Sam 5,1–3
Antwortpsalm: Ps 122(121),1–2.3–4ab.4c–5
2. Lesung: Kol 1,12–20
Ruf vor dem Evangelium: Halleluja. Halleluja. / Gesegnet sei er, der König, der kommt im Namen des Herrn. / Im Himmel Friede und Ehre in der Höhe. Halleluja.
Evangelium: Lk 23,35–43
Die Verbindung der Lesungen
Die Lesungen des Christkönigsfestes im Lesejahr C stellen die **Königsherrschaft Jesu** in ihren verschiedenen Facetten dar: von der weltlichen Salbung Davids bis zur Kreuzigung als königlicher Geste der Barmherzigkeit.
Die **Erste Lesung** aus dem **2. Buch Samuel** (2 Sam 5) thematisiert die **weltliche Königsherrschaft** am Beispiel von **David**, dem Urbild des Königs in Israel. David wird zum König über das gesamte Volk gesalbt, weil er **einer von ihnen** ist („Du bist unser Bein und unser Fleisch“) und weil er Israel **führen und weiden** wird. Dies etabliert die **dynastische und theologische Linie** zum „Sohn Davids“ (Jesus) und betont die königliche Funktion als **Hirte des Volkes**.
Der **Antwortpsalm** (Ps 122) ist ein **Wallfahrtslied**, das die Freude über den **Ort der Königsherrschaft und des Gottesdienstes** (Jerusalem/Zion) ausdrückt. Die Aussage, dass in Jerusalem „die Throne für das Gericht“ aufgestellt sind, knüpft direkt an die Davidstradition an. Er verbindet das **irdische Königtum** (Davids) mit der **geistlichen Pilgerschaft** und dem **Friedenswunsch** für die Stadt (Vers 6f.). Dies ist der Ort, an dem sich Gottes Herrschaft (wie in David) manifestiert und von dem das Heil ausgeht.
Die **Zweite Lesung** aus dem **Kolosserbrief** (Kol 1) liefert die **kosmische und theologische Dimension** des Christkönigtums. Christus ist hier nicht nur der irdische König Davids, sondern der **“Erstgeborene der gesamten Schöpfung“**, durch den alles geschaffen ist und der das **Haupt des Leibes, der Kirche**, ist. Er ist der **König des Weltalls**, der durch sein **Blut am Kreuz** den Frieden gestiftet und alles mit Gott versöhnt hat. Diese Lesung ist die theologische Klammer, die Davids Königtum (irdisch) in die **Herrschaft über Tod und Kosmos** (himmlisch) überführt.
Das **Evangelium** aus **Lukas** (Lk 23) zeigt die **radikale Umdeutung** des Königtums durch Jesus. Die Szene der **Kreuzigung** ist der absolute Gegenentwurf zur weltlichen Macht (2 Sam 5). Jesus wird verhöhnt („Hilf dir selbst, wenn du der König der Juden bist!“), doch gerade in seiner **Ohnmacht** zeigt sich sein wahres Königtum. Der **reumütige Schächer** erkennt dies, indem er Jesus in seiner Erniedrigung als König anspricht („Gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst“). Jesu Antwort („Noch heute wirst du mit mir im Paradies sein“) ist die **ultimative Tat des Königs:** die Vergebung, die Öffnung des Himmelreiches und die **Herrschaft durch Barmherzigkeit und Liebe**.
Inhaltliches Verständnis des Antwortpsalms 122
Psalm 122 – Ich freute mich, als man mir sagte: »Zum Haus des Herrn wollen wir pilgern!«
Psalm 122 ist ein **Wallfahrtslied** (eines der Stufenlieder), das die tiefe Freude des Gläubigen beim Erreichen Jerusalems, der Stadt des Königs und des Heiligtums, zum Ausdruck bringt. Er besingt die **Einheit, den Frieden und die Gerechtigkeit** in der Königsstadt.
- **Der Wesenskern:** Der Psalm drückt eine **intensive Sehnsucht** und **unverhüllte Freude** über das **Ziel der Pilgerfahrt** aus: Jerusalem, der Ort der **Gemeinschaft** („wo die Stämme des Herrn hinaufziehen“) und der **Rechtsprechung** („wo die Throne für das Gericht aufgestellt sind“). Das Zentrum ist die **Gottesgegenwart** im Tempel und die **Ordnung** in der Stadt Davids.
- **Die Bilder der Einheit und des Friedens:** Jerusalem wird als **“wohlgefügte Stadt“** beschrieben, die in sich geschlossen und verbunden ist. Der wichtigste Aspekt ist der **Wunsch nach Schalom** (Frieden, Wohlergehen) für die Stadt und ihre Bewohner (V. 6–9). Der Friedenswunsch schließt explizit jene ein, die die Stadt lieben.
- **Hintergrund für die Liturgie:** Am Christkönigssonntag, dem Höhepunkt des Kirchenjahres, wird dieser Psalm gewählt, weil er die **himmlische Stadt** und das **vollendete Gottesreich** vorwegnimmt. Das irdische Jerusalem, besungen als Ort der Gottesherrschaft (durch Davids Nachfolger), wird zum Bild für das **Reich Christi**. Der Kantor soll die **feurige Freude** und die **Sehnsucht nach dem endgültigen Frieden** und der Gerechtigkeit, die Christus als König bringt, zum Ausdruck bringen.
Hintergründe der Textauswahl
Das Hochfest Christkönig wurde 1925 von Papst Pius XI. eingeführt, um der **weltlichen Säkularisierung** entgegenzuwirken und die **Herrschaft Christi** über alle Bereiche des Lebens zu betonen. Die Texte dienen der Verdeutlichung der wahren Natur dieses Königtums:
- **Kontinuität und Bruch:** **2 Sam 5** stellt die **Kontinuität** der Verheißung (David) dar. Doch die folgenden Texte zeigen den **Bruch** und die **Neudefinition**.
- **Kosmische Herrschaft:** **Kol 1** stellt klar, dass es sich nicht um eine politische, sondern um eine **kosmische Königsherrschaft** handelt. Christus ist der Herr über alles, was ist, und der Versöhner der gesamten Schöpfung.
- **Königtum vom Kreuz:** **Lk 23** ist der Schlüsseltext im Lesejahr C. Er lehrt, dass Jesu Herrschaft gerade am **Tiefpunkt seiner Erniedrigung** – am Kreuz – vollendet wird. Sein Königtum ist ein Königtum der **Demut, des Leidens** und der **radikalen Barmherzigkeit**. Der Dieb am Kreuz ist der erste, dem der König sein Reich verspricht, was das **Erlösungsprinzip** dieses Königtums zusammenfasst.
Quellenverzeichnis
- Schott-Messbuch Online (Erzabtei Beuron): https://schott.erzabtei-beuron.de
- Bibelserver (Deutsche Einheitsübersetzung 2016): https://www.bibleserver.com
- Bibelkommentare (Psalm 122 Auslegung): https://www.bibelkommentare.de
