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Fest der Heiligen Famlie – Lesejahr A

Die vorgeschriebenen Lesungen

1. Lesung: Sir 3,2–6.12–14
Antwortpsalm: Ps 128(127),1–2.3.4–5
2. Lesung: Kol 3,12–21
Ruf vor dem Evangelium: Halleluja. Halleluja. / Der Friede Christi regiere in euren Herzen. / In ihm seid ihr zu einem Leib zusammengerufen. Halleluja.
Evangelium: Mt 2,13–15.19–23

Die Verbindung der Lesungen

Die Lesungen dieses Festes thematisieren die **Grundlagen des menschlichen Zusammenlebens**, die **Ordnung der Familie** und die **Fürsorge Gottes** inmitten von Bedrohung.

Die **Erste Lesung** aus dem Buch **Jesus Sirach** (Sir 3) legt den Fokus auf die **Ehrfurcht vor den Eltern** und die **Sorge für sie im Alter**. Die Lesung stellt die Einhaltung dieses Gebotes (im Sinne des 4. Gebotes) als Quelle des Segens und der Vergebung von Sünden dar. Dies schafft den moralischen Rahmen für die christliche Familie als Ort des **Gehorsams und der Dankbarkeit**.

Der **Antwortpsalm** (Ps 128) besingt den **Segen, der denen zuteilwird, die den Herrn fürchten**. Das Bild der **fruchtbaren Familie** und des **häuslichen Friedens** ist zentral: Die Frau ist wie ein „fruchtbarer Weinstock“ und die Kinder wie „Ölbaumschösslinge“. Der Psalm verbindet die **Frömmigkeit des Einzelnen** („alle, die auf seinen Wegen gehen“) direkt mit dem **Segen des Familienlebens** und dem Frieden in Jerusalem/Zion. Er ist eine freudige Bestätigung der Verheißung an die Gottesfürchtigen.

Die **Zweite Lesung** aus dem **Kolosserbrief** (Kol 3) gibt die **ethische Anleitung** für das christliche Familienleben. Sie mahnt die Gläubigen, sich mit den **Tugenden Christi** zu bekleiden („erbarmendes Herz, Güte, Demut, Milde, Geduld“) und betont die **Liebe** als das Band der Vollkommenheit. Die spezifische Anweisung an Ehepartner und Kinder („Frauen, ordnet euch den Männern unter“, „Männer, liebt eure Frauen“, „Kinder, gehorcht den Eltern“) zeigt, wie die **christliche Ordnung** im Haushalt konkret gelebt werden soll – immer getragen von der Vergebung und dem **Frieden Christi**.

Das **Evangelium** aus **Matthäus** (Mt 2) präsentiert die **Heilige Familie in der Krise**. Es zeigt Josef, Maria und Jesus nicht in einer idyllischen Szene, sondern in der **realen Bedrohung** durch Herodes (Kindermord in Bethlehem) und auf der **Flucht nach Ägypten**. Dies ist der **entscheidende Bezug** zur Weihnachtsoktav: Gottes Plan wird durch die **Fürsorge und den Gehorsam Josefs** verwirklicht, der dreimal im Traum die Anweisungen Gottes empfängt und ausführt. Das Evangelium kontrastiert die idealen ethischen Forderungen (Sir 3, Kol 3) mit der **konkreten Situation der Familie Jesu**, deren Heiligkeit sich in **Gehorsam, Schutz** und der Erfüllung der göttlichen Weisung (Rückkehr nach Nazareth) erweist.

Inhaltliches Verständnis des Antwortpsalms

Psalm 128 – Wohl dem, der den Herrn fürchtet und auf seinen Wegen geht!

Psalm 128 ist ein Weisheitspsalm, der das Glück des Menschen beschreibt, der den Weg Gottes geht. Die Gottesfurcht wird hier nicht als diffuse Angst verstanden, sondern als respektvolle, verbindliche Beziehung zu Gott, die das ganze Leben durchdringt. Nach der Auslegung von Karl Mebus (bibelkommentare.de) ist die in Vers 1 genannte Gottesfurcht die Grundhaltung, aus der sich ein geordnetes, segensreiches Leben ergibt. Die Verse 3 und 4 konkretisieren diesen Segen im familiären Bereich: Der fruchtbare Weinstock ist ein Bild für die Ehefrau, die fruchtbaren jungen Ölbäume ein Bild für die Kinder. Die Metaphorik verweist darauf, dass Familie im alten Israel etwas zutiefst Theologisches war: Sie war Zeichen der Bundesgemeinschaft Gottes mit seinem Volk. Mebus betont, dass der Psalm nicht einfach materiellen Wohlstand verspricht, sondern Frieden, Beständigkeit, Weitergabe des Glaubens und Sicherheit im Zuhause. Das Besondere an diesem Psalm ist deshalb sein tiefes Vertrauen darauf, dass ein Leben in Treue zu Gott sich in der Generationenfolge widerspiegelt. Für die liturgische Verbindung ist entscheidend, dass der Psalm die alltägliche Familienrealität als Ort des göttlichen Segens beschreibt. Im Kontext des Festes der Heiligen Familie wird der Psalm zur Antwort auf die ethischen Forderungen der ersten Lesung (Sirach) und zur Bestätigung der in der zweiten Lesung beschriebenen christlichen Tugenden.

Hintergründe der Textauswahl

Das Fest der Heiligen Familie wurde ursprünglich im 17. Jahrhundert in Kanada eingeführt und später von Papst Leo XIII. und Benedikt XV. auf die Weltkirche ausgeweitet, um die **christlichen Werte von Ehe und Familie** zu betonen und die Familie Jesu als **Vorbild für alle christlichen Haushalte** hervorzuheben. Die Textauswahl dient folgenden Zwecken:

  • **Ethische Verankerung:** **Sirach 3** und **Kol 3** bieten einen **Katechismus des Familienlebens**, der Gehorsam, Fürsorge, Liebe, Geduld und Vergebung als Grundpfeiler setzt, um das Fundament der Kirche in der *Hauskirche* zu stärken.
  • **Realität des Lebens:** **Matthäus 2** verhindert eine Über-Idyllisierung. Indem die Lesung die **Flucht, Not und Angst** der Heiligen Familie zeigt, macht sie deutlich, dass Heiligkeit im Alltag und **im Angesicht realer Bedrohungen** gelebt wird, und nicht in einer abgeschlossenen, perfekten Welt.
  • **Gehorsam als Tugend:** Insbesondere im Evangelium wird die Tugend des **hörenden Gehorsams** (Josefs Gehorsam auf die göttlichen Weisungen hin) als entscheidend für das Gelingen des göttlichen Plans und das Überleben der Familie herausgestellt.

Quellenverzeichnis

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