Fest der Unschuldigen Kinder (28. Dezember)
Vorgeschriebene Lesungen und Rufe
Verbindung der Lesungen mit dem Antwortpsalm und dem Evangelium
Die Texte thematisieren auf unterschiedliche Weise die **Gegenwart Gottes** inmitten von **Verfolgung, Leid und Gefahr**. Die Lesungen sind so gewählt, dass sie das schreckliche Ereignis des Kindermordes in Bethlehem im Evangelium in einen größeren theologischen Rahmen stellen.
- Evangelium (Mt 2,13–18) und Ruf vor dem Evangelium: Das Evangelium ist der **Kerntext** des Festes. Es berichtet vom Befehl Herodes‘, die Kinder in Betlehem zu töten, um den als Rivalen gefürchteten neugeborenen König Jesus zu beseitigen. Diese Kinder werden als **erste Märtyrer** verehrt, die ihr Leben für Christus hingaben, ohne es zu wissen. Der Ruf vor dem Evangelium (Mt 2,20: „Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter und zieh in das Land Israel!“) stammt aus dem unmittelbaren Kontext der Rettung Jesu durch die Flucht nach Ägypten und betont die göttliche Bewahrung des Christuskindes.
- Antwortpsalm (Ps 124): Der Psalm, der mit dem Kehrvers „Wir sind entronnen wie ein Vogel aus der Schlinge des Jägers“ endet, ist ein **Danklied für die Rettung aus großer Bedrängnis**. Er kontrastiert mit dem Evangelium: Während das Evangelium die Opfer des Hasses zeigt, besingt der Psalm die **Befreiung durch Gottes Eingreifen** („Wäre der Herr nicht für uns gewesen, so hätten sie uns lebendig verschlungen“). Dies verweist auf die Rettung des Jesuskindes durch die Flucht und deutet zugleich im Licht des Glaubens die **ultimative Rettung** und den Trost für die ermordeten Kinder an, deren Tod nicht das letzte Wort hat.
- 1. Lesung (1 Joh 1,5–2,2): Die Lesung aus dem Johannesbrief spricht vom **Licht** und der **Vergebung durch Jesus Christus** („Er ist die Sühne für unsere Sünden“). Sie stellt das schreckliche Dunkel des Kindermords und das menschliche Versagen (die Sünde) der rettenden Gerechtigkeit Gottes gegenüber. Sie bietet den **theologischen Trost**, dass das Leben der unschuldigen Opfer in Gottes Licht und Gnade geborgen ist.
Hintergründe der Textauswahl
Das Fest der Unschuldigen Kinder, das direkt in die Weihnachtszeit fällt, erinnert an die **dunkle Kehrseite der Menschwerdung Gottes**: Die Geburt des Erlösers wird sofort von menschlichem Hass und der Macht des Bösen bedroht (Herodes). Die Auswahl der Texte dient dazu, diesen Kontrast zu beleuchten. Das Evangelium (Mt 2,13–18) legt das historische Ereignis dar. Der Antwortpsalm (Ps 124) dient als **Glaubensbekenntnis**, das trotz der Trauer um die Opfer an Gottes schützende Macht erinnert, die im Fall Jesu selbst wirksam wurde. Die 1. Lesung (1 Joh 1,5–2,2) bietet die **eschatologische Perspektive** der Gnade und des Lebens in Gottes Licht, wodurch die unschuldigen Kinder als die Ersten gelten, die in diesem Licht aufgenommen wurden.
Erläuterung des Antwortpsalms (Ps 124) für den Kantor
Der **Psalm 124** ist ein **Wallfahrtslied** (eines der Stufenlieder) und eine feierliche **Proklamation des Volkes Israel**, die Gottes rettendes Handeln in der Vergangenheit bezeugt und das Vertrauen für die Zukunft stärkt. Er ist **kein Bittgebet**, sondern ein **Danklied der Befreiung** und ein Akt der Anbetung.
Inhaltlicher Wesenskern:
- Der Psalm ruft Israel zur **Selbstvergewisserung** auf: „Wäre der Herr nicht für uns gewesen…“ (V. 1–2). Der Kantor sollte dies als eine kraftvolle, fast rhetorische Frage vortragen, die eine tiefe Wahrheit bestätigt.
- Es wird die **übermächtige Bedrohung** durch Feinde bildhaft dargestellt: Sie hätten das Volk **„lebendig verschlungen“** (V. 3) oder die **„Wasser“** des Zornes wären über sie hinweggeflutet (V. 4–5). Diese Bilder – das reißende Tier und die stürzenden Wasser – unterstreichen die existenzielle Gefahr.
- Der entscheidende Punkt ist die **Rettung und Bewahrung**: Der Herr hat verhindert, dass die Feinde ihr Vernichtungswerk vollenden konnten (V. 6).
- Der zentrale Abschnitt (V. 7) gipfelt in dem Bild des **entronnenen Vogels aus der Schlinge des Jägers**. Dies ist ein starkes Bild der Befreiung aus einer scheinbar ausweglosen Falle.
- Der Abschluss (V. 8) fasst die **Gewissheit der Hilfe** zusammen: „Unsere Hilfe ist im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.“ Dies ist der theologische Höhepunkt und betont Gottes Allmacht und Schöpferkraft als Garant der Rettung.
Deutung für den Kantor: Der Psalm dient am Fest der Unschuldigen Kinder dazu, das menschliche Leid und die Unschuld der Opfer in die **Perspektive der göttlichen Macht** zu stellen. Trotz des Geschehens in Betlehem erinnert der Psalm daran, dass das Böse nicht triumphieren wird. Die **Unschuldigen Kinder sind zwar gestorben, aber ihre Seelen sind dem Zugriff des Bösen entronnen** – wie der Vogel aus der Schlinge. Der Kantor soll die **Dankbarkeit** und die **feste Glaubensgewissheit** der letzten Verse kraftvoll zum Ausdruck bringen, als einen **Triumphgesang der Hoffnung** über die Verzweiflung, die das Evangelium auslösen könnte.
Quellenverzeichnis
- Schott-Messbuch Online (Liturgische Texte und Angaben)
- Bibleserver.com (Deutsche Einheitsübersetzung 2016)
- Bibelkommentare.de (Erläuterung Psalm 124)
