Gebete vor dem Kantorendienst

Für Kantoren ist es weder notwendig noch vorgeschrieben, vor ihrem Einsatz ein Gebet zu sprechen. Für mich persönlich ist es jedoch zu einem Moment der inneren Sammlung und Stärkung geworden.
Vor meinem Gesangseinsatz am Ambo bin ich oft nervös und angespannt – besonders in der Osternacht, auch wenn man mir das inzwischen kaum noch ansieht. Das kurze stille Gebet vor meinem Einsatz ist für mich ein liebgewonnenes und wichtiges Ritual geworden.
Vielleicht kann es auch Ihnen eine kleine Hilfe sein.
Wenn Sie Anregungen haben oder selbst ein Gebet haben, das Sie anderen Kantoren zur Verfügung stellen möchte, schreiben Sie gerne an

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Allgemeines Gebet vor dem Kantorendienst

Bevor ich meinen Kantorendienst am Ambo leiste, spreche ich zur inneren Sammlung und Stärkung für mich im Stillen das folgende Gebet:

Herr,
sei in meinem Herzen
und auf meinen Lippen,
damit ich dein Wort und Lob würdig verkünde
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Dieses Gebet habe ich vom Segen des Zelebranten für den Diakon abgeleitet, den dieser erbittet, bevor er das Evangelium liest: „Der Herr sei in deinem Herzen und auf deinen Lippen, damit du Sein Evangelium würdig verkündest + im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“

Dieses Gebet ist mir besonders in der Osternacht hilfreich, denn hier liegt auf mir ein besonderer Anspruch, nicht nur meiner an mich, sondern auch der Anspruch der Gemeinde, dass ein würdiger, feierlicher und musikalisch angemessener Gesang erfolgt. Als Kantor hat man hier ein eine besondere gesangliche Herausforderung: ausschließlich die eigene Stimme und das Mikrofon leiten hier die Gemeinde. Der Ton muss (am besten diskret) von der Stimmgabel abgenommen und auf den richtigen Ton umgerechnet werden; die Intonation muss von Anfang an klar und deutlich erfolgen. Denn bis zum Gloria, steht keine Orgel als Begleitung zur Verfügung, die sonst einen notfalls gesanglich stützen könnte. Jeder Ton, jedes Intervall muss korrekt und genau gesungen werden, damit man selbst und die Gemeinde nicht in der Tonlage sinkt. Für diese „Last“ der Verantwortung, hole ich mir in diesem Moment mit diesem Gebet die für mich notwendige und stärkende Kraft.

Gebet vor dem Exsultet

Kurz bevor ich zum Ambo für das Exsultet trete, spreche ich für mich im Stillen dieses Gebet:

Herr,
ich bitte um dein Erbarmen und deine Hilfe.
Erleuchte mich mit dem Glanz deines Lichtes,
damit ich würdig das Lob dieser Kerze verkünde.

Dieses Gebet ist abgeleitet aus dem Teil des Exsultet, der dem Diakon oder Priester vorbehalten ist: „Darum bitte ich euch, geliebte Brüder, ihr Zeugen des Lichtes, das diese Kerze verbreitet: Ruft mit mir zum allmächtigen Vater um sein Erbarmen und seine Hilfe, dass er, der mich ohne mein Verdienst, aus reiner Gnade, in die Schar der Leviten berufen hat, mich erleuchte mit dem Glanz seines Lichtes, damit ich würdig das Lob dieser Kerze verkünde.“
Ich lege mir dieses Gebet als Einmerkzettel bei der ersten Seite des Exsultet in mein Kantorale, um es in diesem Moment der Anspannung ohne große Anstrengung und Nachdenken zur Verfügung zu haben.

Meist bete ich innerlich, während ich den richtigen ersten Ton im Ohr behalte und von meinem Platz zum Ambo gehe, das allgemeine Gebet.
Da ich es inzwischen ohne Nachdenken auswendig kann, hilft es mir, in die für mich richtige innere Stimmung und Haltung zu finden, um das Exsultet anzustimmen.

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